Nachruf Anna Maria Rathmann

Manchmal fällt es schwer, die richtigen Worte des Trostes und des Abschieds zu finden. Manchmal fällt es schwer, zu verstehen und zu akzeptieren, welchen Lebensweg man gehen muss. Manchmal fällt es schwer, los zu lassen und über die gemeinsam verbrachte Zeit dankbar zu sein. Manchmal fällt es schwer, daran zu glauben, dass der Tod nicht das Ende sondern erst der Anfang ist.

Heute habe ich die Aufgabe, schweren Herzens von dir liebe Annemarie Abschied zu nehmen. Ich darf dich auf deinen letzten Weg zu begleiten und dir so meine Wertschätzung und Freundschaft zu zeigen. Kennen gelernt haben wir uns über die „ÖVP- Frauen“, du warst bei uns jahrzehntelang Vorstandmitglied. Dein Engagement, deine Kreativität und deine Offenheit für Neues aber auch für die alten Traditionen können wir im Nachhinein nur wertschätzend unterstreichen. Seit Anbeginn warst du bei den Familienfesten mit dabei und halfst immer tatkräftig mit, bei der Verköstigung der kleinen, hungrigen Teilnehmer. Von manchen deiner Kurzurlaube mit deinem Ehemann Manfred, brachtest du Mustervorlagen für neue Bastelideen für unsere Muttertagsfeiern oder für die Damenspenden beim ÖVP-Ball mit. Auch bei der Planung unserer verschiedensten Ausflüge konnten wir uns auf dich verlassen, Ideen und Vorschläge hattest du jede Menge. Bei den Faschingsumzügen, oder bei den Faschingssitzungen, bei denen wir sehr gerne mitmachten, hast du dich auch immer kreativ und aktiv eingebracht. Es war dir immer wichtig einen Bogen von den älteren Mitgliedern zu den jüngeren Mitgliedern zu spannen und uns mit deinen Erfahrungen oder Ratschlägen  zur Seite zu stehen. Als in den letzten Jahren sich dein Gesundheitszustand verschlechterte, botest du trotz Schmerzen deine Hilfe an, du richtetest die Tombolalose her, basteltest mit uns, machtest die Beschriftungen und fragtest immer wieder nach, ob noch etwas zu erledigen sei. Im Laufe der Jahre bist du Annemarie, mir eine liebe und gute Freundin geworden. Für mich sind gute Freunde Menschen, bei denen man seine Gedanken aussprechen kann. Ich weiß, dass du sehr genau über deinen Gesundheitszustand Bescheid wusstest. Nur selten ließest du deinen Emotionen freien Lauf, meist hast du dir nichts von deinem Kummer und deiner Angst anmerken lassen. Liebe Annemarie, dein Tod hat eine Leere und ein großes Loch in unser Team gerissen und obwohl wir alle wussten, dass du schwer krank warst, ist es schwer zu verstehen, dass du jetzt nicht mehr da bist. Wir können dir nur alles erdenklich Liebe und Gute auf deiner letzten Reise wünschen und uns nochmals bei dir für deine Mitarbeit und deine Freundschaft herzlich bedanken.

Liebe Annemarie, Ruhe sanft und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in deiner Hand.

 

 

Lebenslauf von Annemarie Rathmann

 

 Annemarie wurde am 1.7.1952 in Großweikersdorf, als Anna Maria Payer geboren. Sie hatte einen älteren Bruder namens Helmuth. Nach ihrer Pflichtschule wurde sie am 3.7.1967 als kaufmännischer Lehrling bei der Firma Humanic inTulln aufgenommen. Am 20. Oktober 1970 legte sie erfolgreich die Lehrabschlußprüfung als Einzelhandelskauffrau ab. Mit 5. November 1973 trat sie ihren Dienst in der Abteilung Sozialhilfe beim Amt der NÖ Landesregierung an. Sie begann als Kanzleimitarbeiterin und durch Ablegung von verschiedenen Prüfungen wurde sie aufgrund ihres Fleißes und ihrer Verlässlichkeit zur Kanzleidirektorin bestellt. Annemarie war auch als Vorgesetzte bei ihrem Team sehr beliebt und wertgeschätzt. Am 26. Juli 1975 heiratete Annemarie ihren Manfred. Sie führten bis zuletzt eine harmonische und glückliche Ehe und unternahmen gemeinsam viele Urlaube und Ausflüge. Das Salzburgerland lag Annemarie besonders am Herzen. Auch erzählte sie immer wieder viel von ihren Nichten, welche ihr sehr wichtig waren. Annemarie war auch politisch tätig, als Vertrauensperson in der Personalvertretung, bei uns auf Gemeindeebene als Vorstandsmitglied bei den „Wir Niederösterreicherinnen“, wo sie bis zuletzt Obfrau Stellvertreterin war. Auch dem Bezirksvorstand der „Wir Niederösterreicherinnen“ gehörte Annemarie jahrelang an. Am 30. November 2014 trat Annemarie, nach über 40 Jahre im Landesdienst ihren wohlverdienten Ruhestand an. Annemarie war handwerklich sehr geschickt und begabt, ihre Handwerkskunst war sehr gefragt. Es waren die kleinen Stickereien, die Seidenmalereien, die Hauben, welche sie strickte oder die Holzspannschachteln, welche sie liebevoll verzierte, man merkte, dass Sie die Stücke mit Liebe und Geduld anfertigte. Sie stellte jahrelang ihre Handwerkskunst auch beim Atzenbrugger Advent aus. Auch die „Wir Niederösterreicherinnen“ von Atzenbrugg, profitierten von dieser Gabe, da wir immer wieder neue Bastelideen von ihr bekamen. Deshalb ist es auch nicht wunderlich, dass Annemarie den Ablauf ihres Begräbnisses plante. Sie suchte selbst das Foto und die Texte für ihre Parte und das Andenkenbild aus. Außerdem war es ihr Wunsch, dass keine traurigen Lieder bei ihrem Begräbnis gespielt werden sollen. Als mir Manfred das sagte, dachte ich mir: „Das ist typisch für dich Annemarie, du willst es uns nicht schwer machen, du willst nicht, dass wir traurig sind und weinen.“ Aber es gibt eine Zeit des Lachens und eine Zeit des Weinens und heute Annemarie dürfen wir weinen, denn heute heißt es für eine unbestimmte Zeit Abschied nehmen.

 

Text: BGM Obfrau der Wir Niederösterreicherinnen Atzenbrugg Beate Jilch